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| Keine Kommentare | 416 Aufrufe | Datum: 25.02.11 | Autor | | |
Die "Alten" in Hechingen - Hintergrund der Frauen in der Fastnacht
Fastnacht ist traditionell Männersache
Ursula Stobitzer bei ihrer WirtschaftsführungIn früheren Jahrhunderten waren die Frauen vom öffentlichen und politischen Leben weitgehend ausgeschlossen und besaßen so gut wie kein Mitspracherecht. Also hatten sie auch im fastnächtlichen Treiben nichts zu suchen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch Objekt der Fastnacht wurden.
Männer verkleideten sich als Frauen und machten damit das andere Geschlecht lächerlich. Weltliche und geistliche Obrigkeiten versuchten das Tragen von Weyberkleidern in der Fastnacht zu unterbinden - Jedoch ohne langzeitigen Erfolg!
Nie verboten wurde eine spezielle Form männlichen Fastnachtsspotts, weil sie den tonangebenden Patriziern offenbar selbst gefiel: Die Verhöhnung der sexuell nicht mehr attraktiven, alternden Frau, deren Schönheit verwelkt.
Schon 1510 bestand die Hauptattraktion der närrischen Tage in Nürnberg aus einem Jungbrunnen, in dem häßliche alte Frauen zu jungen, hübschen Mädchen umgewandelt wurden. Auch heute noch gibt es eine "Altweibermühle" in Tripsdrill.
Unverheiratete Frauen vor Pflug und Egge
Pflugziehen in Regensburg am Aschermittwoch 1532
(Flugblattillustration von Erhard Schön zu Hans Sachs' "Die hausmaid im pflug" [1532]) aus:
Norbert Schindler, Widerspenstige Leute, Fischer-Verlag 1992
Weitere fastnächtliche Diffamierung: Öffentliches Hänseln der Mädchen, die zwar im heiratsfähigen Alter waren, aber noch keinen Mann fanden und drohten ledig zu bleiben. Seit dem 15. Jahrhundert pflegte man die unverheirateten Frauen in der Fastnacht aus den Häusern zu zerren und vor einen Pflug oder eine Egge zu spannen, während ein als Ackermann verkleideter junger Bursch dem Zug voran ging und symbolisch für die Jungfern Männer säte.
Vorfall 1499 in Leipzig:
Eine ledige Weibs - Person habe kurzerhand den Maskierten, der sie zu Straffe, daß sie so lange ungefreyet bliebe(n), vor den Pflug spannen wollte, kurzerhand mit einem Brotmesser erstochen.
In der schwäbisch - allemanischen Fastnacht gibt es das noch heute. Allerdings greift man dabei nur auf die jüngeren zurück und läßt die sogenannten "Altledigen" aus dem Spiel.
"des teufels plaspälger": alte Frauen und Hexen
Vollends schutzlos vor fastnächtlichen Verunglimpfungen waren die Greisinnen und Witwen, die sich nur noch in schwarzen Kleidern in der Öffentlichkeit zeigten.
1430 entstand in einem KLoster ein Traktat daß die alten weib des teufels plaspälger seien; und die Begründung lautet: das pezeichnent uns ir swartziu gestalt, wann sie sind larfen ...gleich, da sich der tewfel under pirget"
"Ihr Mädchen, nehmt euch wohl in acht!"
Mädchen durften immer am Brauchtumsablauf teilnehmen, brauchte man sie doch für die mittelalterlichen Zunfttänze- und den sogenannten Maidlintänzen. Leider wurden sie auch hier oft zu reinen Lustobjekten degradiert.
Mahnung an der Wende vom 15. zum 16. Jahrh. des Straßburger Predigers Geiler von Kaysersberg
- alle Hausväter:
Sie sollten aufpassen, wenn sie ihre Töchter in die Fastnacht ließen, dass denselben nit der bauch davon geschwelle, das sie mit dem kindle werden gon.
- Weiberfastnacht: komische Ausnahme einmal im Jahr
erst im 18. und 19. Jahrhundert wurden in einigen Narrenstadten weibliche Fastnachtsfiguren geschaffen - etwa die weibliche Begleitung, das Gretle, zum Hansel in Donaueschingen. Aber völlige Gleichberechtigung ist nie erreicht worden.
In der rheinländischen "Weiberfastnacht" kommen die Frauen am Donnerstag vor dem Rosenmontag auf ihre Kosten - ein kurzfristiges Frauenrecht zum Gaudium der Männersache.
Eigene Schlussfolgerungen:
Fasnet 2010: Bechtoldsweiler FleggarätschIn Hechingen wird die Entwicklung sicher ähnlich gewesen sein. Liegt die Stadt doch mitten in einer Landschaft, in der rundum heute noch alte Narrenzünfte bestehen, wie z.B. die Rottweiler Fastnacht.
Die Verbindungen zu Nürnberg, siehe oben, waren durch das Grafenhaus auch gegeben. Nun aber gibt es einen Bruch oder auch ein Zusammenwirken von zwei unterschiedlichen Fastnächtlichen Traditionen: die allemanische und die rheinische Tradition.
1850 wurde das Souveränitätsrecht des hohenzollerischen Fürstentums an die preußische Krone abgegeben. Also musste Hohenzollern nun nach dem preußischen Recht regiert werden. Da Preußen evangelisch und Hohenzollern katholisch war, mußte eine Regelung gefunden werden. Auch das katholische Rheinland gehörte zu Preußen. Also wurden kath. preußische Beamte, Lehrer, Richter... aus dem Rheinland in die hohenzollerische "Provinz" abgeordnet.
Diese brachten natürlich auch ihre rheinischen Karnevalstradionen mit. So vermischten oder integrierten sich allemanische mit den rheinischen Traditionen.
Seit etwa 100 Jahren gibt es nun die "Hechinger Alte" wie wir sie heute kennen. Ihre Aufgabe ist es, den Männern einen Spiegel über ihre (Un-)Taten vorzuhalten und sich ihren Spaß mit ihnen in aller Öffentlichkeit zu machen. Dabei soll der Verspottete aber nicht erfahen, wer unter der Maske steckt und seinen Übermut an dem "Herrn der Schöpfung" ausläßt. Erst wenn der Tag der Alten vorbei ist, nämlich nach 24.00 Uhr, darf die Alte ihr "Incognito" lüften.
Um aber die Männer aufzuspüren, denen der spezielle Spott gelten soll, wandern die Alten von der Unter- in die Oberstadt durch alle Gast- und Wirtshäuser.
Eine ganz schön anstrengende Tour!
Siehe Werner Metzger in "Schwäbische Heimat" 1987/1; Zusammenfassung von Ursula Stobitzer
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