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| Keine Kommentare | 615 Aufrufe | Datum: 01.07.11 | Autor | | |
Die Irma-West-Kinder- und Heimat - Festhandlung
Die Festhandlung - Historisches Spektakel am Samstagabend
Wenn am Samstagabend die Grundschüler - begleitet vom Jugendfanfarenzug, der kleinen Garde und dem Spielmannszug der Bürgergarde - mit ihren Lampions vom Fürstengarten zum Rathaus ziehen, vorbei an den mit Lichtern geschmückten Giebeln auf dem Marktplatz, wird eine der Hauptattraktionen des Kinderfestes eingeläutet: die Festhandlung.
Seit deren Neugestaltung im Jahr 1998 wird in Form einer szenischen Spielhandlung die Geschichte des Stifters des Kinderfestes erzählt - vornehmlich für die Kinder. Der 1847 in Hechingen als Friedrich Wüst geborene und 1872 nach Amerika ausgewanderte Fred West kam in der Neuen Welt zu Ansehen und Wohlstand. Leider blieb er von Schicksalsschlägen nicht verschont. Er verlor sein einziges Kind Irma im Alter von 24 Jahren und kurz darauf auch seine Frau Lisette. Fred West vermachte seiner Heimatstadt nach seinem Tode 1930 eine beachtliche Summe Geldes, um alljährlich zur Erinnerung an seine Tochter ein Fest für Kinder aller Stände und Religionen zu veranstalten.
In eindrucksvollen Bildern werden Szenen des Ursprungs des Kinderfests erzählt: die Auswanderung von Fred West, seine Hochzeit, die Geburt seiner Tochter Irma, der Tod seiner Tochter und seiner Ehefrau, das Abfassen des Testaments und die Realisierung des Kinderfestgedankens in der Heimatstadt.
Da die Erstklässler alljährlich symbolisch in die Irma-West-Gemeinschaft aufgenommen werden, indem ihnen ein Gebildbrot in der Form eines Gansfußes überreicht wird, erschien es sinnvoll, auch die Hintergründe zum Gansfuß zu erläutern. Dies geschieht, indem die Sage vom Gansfuß in die Geschichte der Auswanderer eingeflochten wird. Die Figuren der Bäckerin und des Kindes verbinden beide Themenkreise miteinander, die Figur des Herolds führt durch das Geschehen und erläutert die einzelnen Szenen.
Es wird mit akustischen und optischen Effekten gearbeitet und auf überraschende Elemente gesetzt. Wenn hunderte weißer Luftballone, die die Gänseschar symbolisieren, zur Musik von Per Gint in den dunklen Nachthimmel entschweben, kann sich niemand der tiefen Wirkung dieser Szene entziehen. Es ist ein ergreifender Augenblick, wenn die Fassade des Rathauses in Schwarz gehüllt wird, weil vom Tode der Tochter und der Ehefrau berichtet wird und das Kind mit der Bäckerin die einsame und düstere Bühne betritt, um ein Gedicht von Hermann Hesse vorzutragen.
Wenn der Schaffner mit eindruckvoller Stimme die Zugverbindungen herausbrüllt und dabei mit seiner Glocke bimmelt, wenn der Matrose die Namen der Passagiere zur Überfahrt nach Amerika verliest, während die Auswanderer die Gangway zum ersten Stock des Rathauses emporsteigen, wenn dann die Schiffssirene ertönt, während die Auswanderer zu den offenen Fenstern des Rathauses mit ihren Taschentüchern hinauswinken und das Lied „Oh Hechingen du traute" anstimmen - dann wird das Rathaus zum Schiff.
Auf der Bühne vor dem Rathaus werden die Szenen, die in Hechingen spielen, aufgeführt. Im Ratssaal des Rathauses finden die Szenen in der neuen Welt statt, wenn Fred West heiratet, oder sein Testament verfasst. Um die Handlung auch den Zuschauern nahezubringen, die keine Plätze in den vorderen Reihen bekommen, wurde 1999 erstmals die Festhandlung über eine Großleinwand übertragen. Modernste Technik ermöglicht die akkustische Wiedergabe über den gesamten Marktplatz bis zur Stiftskirche.
Am Ende der Vorführung werden die „Gansfüße" an die Erstklässler verteilt, während ein Kinderchor das Lied „Wir wünschen, dass jedes Kind / auf der Welt lachen kann" anstimmt, gefolgt von dem mit den Zuschauern gemeinsam gesungenen „Hohenzollernlied". Das Erscheinen eines Nachtwächters, der die zehnte Stunde ausruft, bildet den Abschluss der Festhandlung.
Zentral ist das Anliegen, mit diesem Theaterstück zum Thema Aus- und Einwanderung hinzuführen. Zu Zeiten Fred Wests war Deutschland ein Auswanderungsland. Deutsche zog es ins Ausland, weil sie sich dort Arbeit und Brot erhofften. Heute ist Deutschland ein Einwanderungsland. Menschen kommen aus unterschiedlichsten Ländern, um hier Arbeit und Brot zu finden, aber auch um vor Verfolgung sicher zu sein. So ist das Thema immer noch für uns aktuell. Wenn es darum geht, unser Land heute als Einwanderungsland zu begreifen, sollten wir nicht vergessen, wie Menschen aus Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert sind - zum Teil in Gebiete aus denen heute wieder Menschen zuwandern.
| Text: |
Tel.: 07471/44 76 (Franz Ermantraut)
http://www.irma-west-kinderfest.de








Wenn ich durch Hechingen - und auch durch die Welt - gehe versuche ich dies möglichst mit offenen Augen und Ohren zu tun, denn es gibt soviel Wissenswertes zu erfahren und zu erleben!