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| Keine Kommentare | 350 Aufrufe | Datum: 06.05.11 | Autor | | |
Führung durch die Alte Synagoge in Hechingen mit Johanna Werner
Mit der jüdischen Geschichte und Kultur in Hechingen machte sich der LandFrauenverband Zollernalb bei einer Führung durch die „Alte Synagoge“ vertraut. Johanna Werner, Stadtführerin der Zollernstadt vermittelte auf unterhaltsame Weise viel Informatives über die restaurierte Synagoge, die heute als Erinnerungs- und Begegnungsstätte dient.

Die „Alte Synagoge“ wurde 1767 erbaut. Sie fiel den Wirren der Reichspogromnacht 1938 zum Opfer. Ein Glück war es, dass sie nicht angezündet wurde. Ihr Inneres wurde schwer demoliert. Den alten Fundamenten konnte die Zerstörung nichts anhaben. Bis zu dieser mutwilligen Beschädigung diente es den Juden 150 Jahre lang als Gotteshaus. Damals war jeder vierte Hechinger Bürger ein Jude und es gab drei Synagogen.
Nach der Restaurierung erfolgte 1986 die Eröffnung der „Alten Synagoge“.

Johanna Werner stellte im Inneren den großen Raum vor, in dem kein Altar, keine Bilder und auch kein Weihwasserkessel zu sehen waren. Die Blicke der Besucher waren auf das beeindruckende Deckengewölbe, der einem riesigen Sternenhimmel gleicht, und auf den Toraschrein gerichtet, der mittig im vorderen Bereich steht. In ihm befindet sich das Wertvollste einer jüdischen Gemeinde, das Allerheiligste: die Torarollen.
Diese Schriftrollen enthalten die gleichen Wörter wie das Alte Testament.
Die Stadtführerin zeigte an einer Buchrolle, wie sie gehandhabt wird und erklärte anschließend anschaulich, wie sich Juden zum Gottesdienst kleiden.
Einem jungen Zuhörer setzte sie als Kopfbedeckung die Kippa auf und legte auf seine Schultern den Gebetsschal. Dieser hat an vier Ecken viele Schaufäden mit unterschiedlicher Knotenanzahl. Fünf Knoten z. B. symbolisieren die 5 Bücher Moses und 613 kleine Fransen stehen für 613 Gebote und Verbote. Als weiteres folgten die Bedeutung der hohen farbigen Glasfenster, die sich seitlich des Toraschrein befinden und die Kuppel mit dem Firmament, das in zwölf Felder eingeteilt ist. Sie stehen für die zwölf Stämme Israels.
Johanna Werner berichtete weiter über die eng mit der Synagoge und der jüdischen Geschichte Hechingens verbundenen Madame Kaulla (1739 – 1809). Sie galt zu ihrer Zeit als die reichste Frau Deutschlands. Die verheiratete Jüdin und Mutter von fünf Kindern (vier Söhne und eine Tochter) übte den Beruf einer Hoffaktorin aus. Ihre kaufmännischen Tätigkeiten am Hofe waren sehr erfolgreich. Unter anderem gründete sie zusammen mit ihrem Bruder und König Friedrich I (der „Dicke Fritz“) die Königlich Württembergische Hofbank in Stuttgart, die bis 1923 unter diesem Namen firmierte. Daraus entwickelte sich dann die Deutsche Bank. Die beeindruckende, sehr schöne und religiöse Frau gründete auch eine Talmutschule, in der Rabbiner ausgebildet wurden. Alle Notleidenden, egal welcher Religion sie angehörten, erhielten durch sie wohltätige Unterstützung.
Nach den Informationen zur jüdischen Kultur ging es anschließend ins katholische Gemeindehaus. Dort wurden die Gäste mit Kaffee und Kuchen vom großen Büfett erwartet. Brigitte Steger, LFV-Ortsvorsitzende von Hechingen dankte Johanna Werner für die Synagogen-Führung und ihre unterhaltsame, mit jüdischem Humor gewürzten kleinen „Histörchen“.
| Text: |
Ortsgruppe Hechingen
Tel.: 07471/ 98 99-20, Fax.: 07471/ 98 99-29
http://www.landfrauenverband-wh.de
http://www.alemannia-judaica.de/hechingen_synagoge.htm







