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| Keine Kommentare | 173 Aufrufe | Datum: 17.06.11 | Autor | | |
Ein Teenie im Altersheim
In der Klassenstufe Neun müssen alle Schüler des Gymnasiums ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung absolvieren. 16 bis 20 Stunden lang soll in einen Beruf wie Erzieher, Alten- oder Krankenpfleger reingeschnuppert werden.
Mein Sozialpraktikum im Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth beginnt gut: Ich finde keinen Stellplatz für mein Fahrrad. Kurzerhand parke ich es in der Feuerwehrzufahrt und betrete das Heim.
Nachdem ich von einer freundlichen Mitarbeiterin begrüßt wurde, bekomme ich meine Arbeitskleidung und werde zu meiner Station geführt.
Hier werde ich die nächsten drei Tage meine Erfahrungen sammeln.
Sogleich werde ich an einen netten Pfleger übergeben, dem ich den ganzen Morgen nicht von den Fersen weiche. Das hier ist nämlich komplettes Neuland für mich. Senioren, auch kranke, damit hatte ich bisher wenig zu tun. Unsicher schaue ich erst beim Waschen und Essen geben zu. Bewundernswert, wie routiniert und doch einfühlsam die Pfleger mit den alten Menschen umgehen. Gegen Mittag gebe ich dann selbst Essen ein, räume ab und putze Tische.
Gespräche mit den Bewohnern fallen mir anfangs schwer, aber manche erzählen wirklich interessante Geschichten.
Als ich um drei Uhr nach einigem Verlaufen das Heim verlasse, kommt mir meine Arbeitszeit viel kürzer vor, als sie ist. An diesem ersten Tag habe ich schon so einige Eindrücke gesammelt.
Der zweite Tag: Pünktlich um acht erscheine ich auf der Station und hole mir meine Arbeit ab: Betten machen, Frühstück servieren und eingeben, frisch gewaschene Wäsche verteilen. Bei dieser Tätigkeit bekomme ich Einblicke in die verschiedenen Zimmer der Bewohner. Viele sind mit Fotos von Angehörigen geschmückt, die meisten haben einen Balkon und einen Fernseher. Währenddessen empfangen die Bewohner immer wieder Besucher.
Nach der Mittagspause lerne ich, dass man Hustenbrausetabletten in Wasser auflösen muss, in dem ich genau das nicht tue. Bald ist wieder Zeit zum Kaffeetrinken und Kuchenessen. Neidisch betrachte ich das appetitlich aussehende Gebäck. Auch das gehört dazu: Erfahrungen eines echten Berufes sammeln.
Als Schüler kann man zwischendurch immer mal was essen, und das wird mir später im Beruf definitiv fehlen…
Am dritten Tag kenne ich schon die Namen aller Bewohner auf „meinem“ Teil der Station und tue mich im Umgang mit den Senioren einfacher. Trotzdem ist es komisch, jemanden anzuschreien, weil er es sonst nicht versteht. Ich beziehe ein Bett falschrum, woraufhin mir die freundlichen Pfleger eben noch einmal erklären müssen, wie es richtig geht. Fehler passieren jedem, denke ich, und drehe mit einer älteren Dame im Rollstuhl eine Runde durch den Garten des St. Elisabeth. Sie singt gerne, das merkt man.
Um vier ist mein Sozialpraktikum offiziell zu Ende und ich verlasse das Pflegeheim. Ich bin fast traurig, jetzt fertig zu sein.
Altenpfleger werde ich wahrscheinlich trotzdem nicht, aber ich habe viel gelernt: das Älterwerden aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, offener auf Menschen zuzugehen und nicht alles Gute als selbstverständlich anzusehen. Deshalb war das Sozialpraktikum für mich eine wertvolle Erfahrung.
| Text: |
Tel.: 07471/6 10 2-0
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